Vertretungsplan

Impressum   

Binationaler-bilingualer deutsch-polnischer Bildungsgang

1. Allgemeine Zielstellungen

Die geographische Lage von Görlitz als Grenzstadt und die engen Verbindungen zur Partnerstadt Zgorzelec legen nahe, gerade an diesem Ort die Beziehungen zwischen der Polnischen Republik, insbesondere der Woiwodschaft Niederschlesien und dem Freistaat Sachsen in besonderer Weise zu gestalten. Das Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz befördert dieses Anliegen unter anderem durch das Angebot eines bilingualen Bildungsganges, der ab der Klassenstufe 7 außerdem durch die Aufnahme von polnischen Schülerinnen und Schülern binational ausgeprägt wird. Dies stellt eine besondere Form vertiefter gymnasialer Bildung in Sachsen dar und ist bundesweit einmalig.

Die Vertiefung im sprachlichen Bereich wird durch inhaltliche, stoffliche und methodische Anreicherung der Ausbildung erreicht. Durch die Bildung kleiner Gruppen kann der Lernprozess beschleunigt werden. Die verbindliche Integration von Aufenthalten im Nachbarland in den Bildungsgang führt auch zu einer ausgeprägten Selbstständigkeit im Arbeiten. Über die Profile und die an der Schule entwickelten Angebote zur ganztagsschulischen Bildung und Erziehung gelingt die Verflechtung der Spezifik der vertieften Ausbildung mit allgemeinen Zielstellungen des Gymnasiums und die Integration der polnischen Schülerinnen und Schüler in das schulische Leben. Ein Internat für die polnischen Schüler ist nicht zwingend notwendig.

2. Spezifik der binationalen-bilingualen Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines speziell konzipierten anspruchsvollen bilingualen Bildungsganges, der sowohl eine Förderung der sprachlichen Begabung als auch die Entwicklung sozialer und interkultureller Kompetenz zum Ziel hat.

Struktur des Bildungsganges

Die Schüler beider Länder erlernen die jeweilige Partnersprache in der 5. und 6. Klassenstufe getrennt in ihren Heimatländern und werden in der Klassenstufe 7 in einer gemeinsamen binationalen Klasse am Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz zusammengeführt.

Die jungen Menschen sollen für die Geschichte, Kultur und Lebensweise des Partnerlandes interessiert und sensibilisiert werden und diese näher kennen lernen. Im Erlebnis des gemeinsamen Lernens und der gemeinsam gestalteten Freizeit werden Vorbehalte abgebaut und interkulturell Erfahrungen erworben. Die enge Zusammenarbeit mit den Grund- und Mittelschulen sowie weiter führende Angebot an Hochschulen und Universitäten sichern Durchlässigkeit und Perspektive.

Als Abschluss erhalten deutsche und polnische Schüler und Schülerinnen das sächsische Abitur sowie ein Zertifikat über den erfolgreichen Besuch des Bildungsganges. Die angestrebte hohe sprachliche Bildung sichert den Absolventen besonders gute berufliche Chancen in der Grenzregion und soll dazu beitragen die Abwanderung hoch qualifizierter junger Menschen zu reduzieren.

3. Aufnahmebedingungen für deutsche Schüler

Die Aufnahme der Schüler in alle bilingualen Bildungsgänge an sächsischen Gymnasien mit vertiefter Ausbildung erfolgt zur Klassenstufe 5 und erst nach erfolgreichem Bestehen einer Aufnahmeprüfung (gemäß §4, SOGY vom 3. August 2004). In diesen speziellen Bildungsgängen werden Schüler mit besonderen Begabungen und Neigungen effektiv gefördert.

Für die Aufnahme sind entscheidend:

  • Bildungsempfehlung

  • Bestehen einer schriftlichen Prüfung (ca. 60 Minuten)

  • Absolvieren eines Aufnahmegesprächs als Gruppenprüfung

Entsprechend der sprachlichen Vertiefungsrichtung werden die Fähigkeit zu kombinatorischem, produktivem, differenzierendem und kreativem Denken sowie die sprachlichen Fähigkeiten des Betrachtens, Vergleichens, Verbalisierens, Lösens und Abstrahierens eingeschätzt. Die schriftliche Prüfung erfolgt im Wesentlichen in deutscher Sprache. Eine Aufgabe widmet sich den Sprachkenntnissen in Englisch. Die Vorkenntnisse in Polnisch werden im Rahmen des Aufnahmegespräches getestet. Es werden Schüler mit und ohne Vorkenntnisse aufgenommen.

Beispielaufgaben aus vergangenen Jahren (Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5)

Interessierte Eltern, deren Kinder nach der 4. Klasse eine Bildungsempfehlung für ein Gymnasium erhalten haben, können ihr Kind zur Aufnahmeprüfung direkt an der Schule zu den regulären Schulaufnahmeterminen schriftlich anmelden. Das Antragsformular erhalten die Eltern zu diesem Termin. Die schriftliche Prüfung beginnt um 8.00 Uhr. Über den weiteren Ablauf werden die Eltern per Post informiert und erhalten gleichzeitig ein Antragsformular zur Freistellung für die Grundschule. Das Ergebnis der Prüfung wird den Eltern rechtzeitig schriftlich mitgeteilt. Wenn die Aufnahmeprüfung nicht bestanden wurde, kann das Kind so in einer anderen 5.Klasse des Augustum-Annen-Gymnasium oder in einem anderen Gymnasium ihrer Wahl fristgerecht angemeldet werden.

4. Aufnahmebedingungen für polnische Schüler

Die Aufnahmemodalitäten der polnischen Schüler werden von polnischer Seite geregelt.

Für die Aufnahme sind entscheidend:

• Halbjahreszeugnis der Klasse 6

• Ausgezeichnete Deutschkenntnisse

• Bestehen einer schriftlichen Prüfung in Deutsch (ca. 80 Minuten)

• Absolvieren eines Aufnahmegesprächs als Gruppenprüfung

 

Beispielaufgaben aus vergangenen Jahren:

Beispielaufgaben Serie 1: Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6

Beispielaufgaben Serie 2: Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6

 

Es können sich Schüler aus der 6. Klasse der Grundschule aus Zgorzelec und der näheren Umgebung anmelden. Die Anmeldungen müssen in der Stadtverwaltung Zgorzelec/Schulverwaltung erfolgen. Die Aufnahmeprüfungen finden im März/April im Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz statt. Die Termine werden im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung Zgorzelec jährlich neu festgelegt und können dort erfragt werden. Die Einladung zur Prüfung sowie die Mitteilung über Bestehen bzw. Nichtbestehen der Prüfung erfolgt ebenfalls durch die Stadtverwaltung.

Die Aufnahme erfolgt zu Beginn der Klasse 7.

>5. Unterricht in der Klassenstufe 5 und 6 zur Vorbereitung auf den Besuch der binationalen Klasse

Die deutschen Schüler werden ab der Klassenstufe 5 auf das Lernen in einer binationale Klasse in einer kleinen Gruppe (ca. 14 Schüler) vorbereitet. Sie erlernen neben Englisch die polnische Sprache in 4 Wochenstunden. Die unterschiedlichen Voraussetzungen werden durch differenzierten Unterricht sowie eine Stunde Förderunterricht in den Klassenstufen 5 und 6 ausgeglichen, so dass die Schüler am Ende der Klassenstufe 6 ein möglichst gleichmäßig hohes sprachliches Niveau in Polnisch erreichen und somit in der Lage sind mit ihren polnischen Mitschülern zu kommunizieren und dem Unterricht im bilingualen Sachfach Geografie zu folgen. Mit den Schülern wird zur individuellen Förderung eine Bildungsvereinbarung geschlossen.

Im Rahmen eines Ganztagsangebotes wird in beiden Klassenstufen für jeweils 4 Wochenstunden zusammenhängender Projektunterricht durchgeführt. Integriert sind verschiedene Unterrichtsfächer u.a. Polnisch, Deutsch, Mathematik, Physik, Geografie, Biologie und Geschichte. Außerdem ist das Projekt „Meine Stadt“, welches gemeinsam mit einer Grundschule aus Zgorzelec gestaltet wird, Bestandteil dieses Projekttages. Ein weiteres Angebot stellt das Unterrichtsfach „Lernen lernen“ dar, in dem die Schüler vor allem mit Lerntechniken vertraut gemacht werden. Ein zusätzlicher Förderunterricht im Fach Mathematik wird ebenfalls angeboten. Auf Wunsch der Eltern kann dreimal pro Woche eine Hausaufgabenbetreuung in Anspruch genommen werden.

Durch die notwendigen Veränderungen in der Stundentafel müssen die Lehrpläne angepasst werden. Es wurde durch die Fachkonferenzen dabei darauf geachtet, dass die Intension der Lehrpläne erhalten blieb und ihre Umsetzung nicht gefährdet wird.

6. Gemeinsamer Unterricht in den Klassen 7 bis 10

Den Leitgedanken des binationalen Bildungsganges folgend findet gemeinsamer Unterricht zunächst in den Fächern Mathematik, Sport, Religion/Ethik, Musik, Kunsterziehung, Informatik in deutscher Sprache statt. Die Anzahl der im binationalen Klassenverband unterrichteten Stunden nimmt mit jeder weiteren Klassenstufe zu.

Getrennter nationaler Gruppenunterricht findet in der jeweiligen Mutter- und Partnersprache, in Englisch sowie im bilingualen Sachfach Geographie bis zum Abschluss der 10. Klasse statt.

Detailliert ist die Stundenverteilung aus der Stundentafel zu entnehmen.

Stundentafel der Sekundarstufe I

Ab der Klassenstufe 8 wählen alle Schüler des Bildungsganges ein Profil aus dem Angebot der Schule und können bei Wahl des sprachlichen Profils auch als dritte Fremdsprache Französisch erlernen.

In der Perspektive soll die Einführung eines zweiten bilingual unterrichteten Sachfaches ab Klassenstufe 9 erfolgen. Derzeitig werden im Fach Biologie in der Klassenstufe 8 und 9 bilinguale Unterrichtsmodule angeboten.

Für die polnischen Schüler wird Deutsch als Fremdsprache in den Klassenstufen 7 und 8 angeboten. Der Polnischunterricht wird als muttersprachlicher Unterricht auf der Basis der Lehrpläne der entsprechenden Jahrgangsstufen des Gymnasiums in Polen erteilt.

In Klassenstufe 9 und 10 wird im Rahmen des Faches Gemeinschaftskunde, Rechtserziehung, Wirtschaft explizit auf das gesellschaftliche System in Polen eingegangen.

7.Unterrichtsergänzende und vertiefende Angebote in der Sekundarstufe I

Das Erlernen der polnischen Sprache soll sich nicht nur auf den schulischen Bereich beziehen, sondern auch praktische Anwendung finden. Dazu bieten sich gerade im grenznahen Bereich vielfältige Möglichkeiten, die den Schülern angeboten werden. Eine Reihe von Projekten, jeweils auf ein Schuljahr begrenzt, dienen dem Kennen lernen des jeweiligen Nachbarlandes, seiner Menschen, Kultur und Geschichte und damit der Entwicklung des „Europagedankens“.

Unterrichtsbegleitende Projekte

Neben den im Unterricht gebotenen Inhalten steht es in der Verantwortung der Klassenleiter, mit den ihnen anvertrauten Kindern möglichst viele geeignete Veranstaltungen im binationalen Klassenverband zu organisieren und durchzuführen, um so das gegenseitige Verständnis zu entwickeln und verantwortliches Handeln zu fördern.

Zu Beginn des Schuljahres fährt die jeweilige 7. Klasse des Bildungsganges für eine Woche in ein Schullandheim der Region, damit sich die deutschen und polnischen Schüler miteinander und dem Klassenleiter vertraut machen können.

Im Schuljahr 2004/05 fand erstmalig ein Schüleraustausch mit einem polnischen Liceum statt. Ab dem Schuljahr 2005/06 mündet dieser Austausch in einer dauerhaften Schulpartnerschaft und ist in der Klassenstufe 10 fester Bestandteil der interkulturellen Bildung und Erziehung im Bildungsgang.

Polnische Fremdsprachenassistenten bereichern an der Schule den Unterricht in Polnisch, Geografie, Geschichte und Gemeinschaftskunde und werden in den Projekten wirksam.

Das in der Klassenstufe 9 stattfindende Betriebspraktikum findet für die Schülerinnen und Schüler der binationalen Klasse in Betrieben und Einrichtungen des jeweiligen Nachbarlandes statt. Die Schüler werden dadurch auch mit der Arbeitswelt in beiden Ländern bekannt und erwerben damit zusätzliche Erfahrungen, die durch die Schule nicht vermittelt werden können.

8. Gestaltung der Sekundarstufe II

In den Jahrgangsstufen 11 und 12 erfolgt die Ausbildung auf der Grundlage der Oberstufen- und Abiturprüfungsverordnung. Die Schüler wählen ihre Kurse aus dem Angebot der Schule.

Dabei wählen beide nationalen Schülergruppen die jeweilige Partnersprache als Leistungskurs sowie zwei weitere Leitungskurse eines vorgegebenen Kurswahlangebots. In der Abiturprüfung wird ein Leistungskursfach nach Wahl des Schülers zum Grundkurs abgestuft und entsprechend geprüft und gewertet.

Mögliche Leistungskurskombinationen

Die Schüler erhalten Anregungen, um die Möglichkeit zur Einbringung einer sogenannten "Besonderen Lernleistung" (BELL) in den Abiturprüfungsbereich zu nutzen. Diese kann ab dem Schuljahr 2008/09 einen Leistungskurs ersetzen. Durch den Oberstufenberater erfolgt einen intensive Beratung der Schülerinnen und Schüler in der Klassenstufe 10.

Nach dem erfolgreichen Ablegen der Abiturprüfung erhalten polnische und deutsche Schüler das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife und ein besonderes Zertifikat über den Abschluss der vertieften Ausbildung.

9. Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Eltern der deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler wird besonders in den Klassenstufen 7 und 8 sehr intensiv gestaltet.

Im Verlaufe des Schuljahres 2004/05 wurde eine Elternvertretung der polnischen Eltern an der Schule ins Leben gerufen, die sowohl der Vertretung der speziellen Interessen als auch als Plattform des Erfahrungsaustausches zwischen den Eltern dienen soll und Unterstützung für die Schulleitung und die Klassenleiter bei der Vorbereitung von Veranstaltungen bieten soll.

10. Ansprechpartner

Als Ansprechpartner für weitere Informationen steht die Koordinatorin des Bildungsganges

            Frau Carola Döhler, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,

zur Verfügung.