Geschichte des Hauses Augustum

 

14. Jh. In Verbindung mit der Nikolaikirche gab es eine städtische Schule im Waidhaus. Vor allem für den Gottesdienst vermittelte sie den Jungen Lesen und Schreiben, Religion und Musik, den älteren auch lateinische Grammatik, Rhetorik, Logik und Ethik.

1458 entstand daneben eine Schule im Franziskaner-Kloster, die begabte Schüler auf das Universitäts-Studium vorbereiten sollte.

1530 formte sich im Zusammenhang mit der Reformation die alte städtische Schule zu einer evangelischen städtischen Lateinschule. Organisation und Lehrprogramm folgten den Vorstellungen Philipp Melanchthons.

1565 wurde am 22. Juni die evangelische Lateinschule in das seit der Reformation verlassene ehemalige Franziskaner- Kloster verlegt, nachdem der Kaiser am 5. Februar 1564 dem zugestimmt hatte. Erster Rektor war Petrus Vincentius, vormals Dekan und Rektor an der Universität zu Wittenberg, ein Freund Philipp Melanchthons. Das Schulgeld für die öffentlichen Stunden bekam der Rat der Stadt. Auswärtige und Adlige hatten mehr zu zahlen. Der Rektor und die neun Lehrer erhielten Gehalt, je nach Rangordnung in recht unterschiedlicher Höhe. Durch gesondert bezahlte Privatstunden und durch Leichenbegleitungen konnten sie ihr Einkommen aufbessern.

 

1566 gab der Rektor seine "Schulgesetze" heraus. Er erwartete Vertrauen, Gehorsam, Dankbarkeit und Bescheidenheit gegenüber Lehrern, Eltern und Älteren, strengste Wahrhaftigkeit, Mäßigkeit im Reden , Gehen und Umgang. Verboten waren lasterhaftes Leben (darunter auch Fluchen und Meineid), Tätlichkeiten untereinander, Tumulte und liederliches Herumstreichen außerhalb der Schule. Als Strafe drohten lateinische Gedächtnisübungen, Karzer oder die Verweisung von der Schule.

1579 besuchten die Schule 611 Jungen.

1590 hatte die Schule bereits 648 Schüler, davon 147 Primaner.

1617/18 Der Barockdichter Martin Opitz und sein Zusammenhang in unserer Schule

1632 mußte die Schule wegen der Kriegsereignisse zeitweilig geschlossen werden. Im folgenden Jahre hatte sie nur 60 Schüler.

1641 zwang die schwedische Besatzung unter Oberst Wancke Lehrer und Schüler zu Schanzarbeiten. In der Schule kampierten fremde Söldner.

 

1666 übernahm Christian Funcke das Rektorat. Er war Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft", der führenden deutschen Sprachgesellschaft. Unter ihm hatte das Gymnasium 1674 schon wieder 326 Schüler. Kamen die meisten aus der näheren Umgebung, also der Oberlausitz und Schlesien, so nahm man auch Bewerber aus Kurland, Livland, Polen, Brandenburg und Ungarn auf. Die Schule besaß weithin einen guten Ruf.

1695 folgte ihm Samuel Grosser als Rektor. Auch er verfaßte Theaterstücke und gestaltete Aufführungen für die gebildeten Schichten der Stadt. Dieses Schülertheater förderte zugleich Bildung und Erziehung der jungen Darsteller.

1736 wurde Christian Baumeister Rektor.

1779 entstand die Oberlausitzsche Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz. Rektoren und Lehrer des Gymnasiums Augustumgehörten in der Folgezeit als Vizepräsidenten, Sekretäre oder Mitglieder zu den eifrigsten Mitgestaltern dieser Vereinigung. Die Schule galt zu dieser Zeit als ein Zentrum der Wissenschaftspflege für die gesamte Oberlausitz.

1785 übernahm Johann Friedrich Neumann das Amt des Rektors und 1803 Christian August Schwarze.

1815 Nach dem Übergang der östlichen Oberlausitz an das Königreich Preußen traten nach und nach beträchtliche Veränderungen im Leben der Schule ein. Mehr Gewicht erhielten Deutsch, Mathematik und Zeichnen, als neues Fach kam Physik hinzu. Die vaterländische Erziehung, insbesondere im Geschichts- und Turnunterricht, war Ausdruck für den verbreiteten Wunsch nach Verfassung und nationalstaatlicher Einigung.

1816 gab es die erste Abiturprüfung am Gymnasium Augustum. Vergeben wurden die Noten 1, 2 und 3. Nur die Note 1 berechtigte zum Besuch einer Universität, die Note 2 ließ bedingt zu. Bei Note 3 empfahl es sich, ein weiteres Jahr in Prima zu bleiben.

1835 bedeutete die Einführung des Klassenbuches einen weiteren Schritt zu einem streng geregelten Unterrichtsbetrieb, der ein ertragreiches Lernen erleichtern sollte.

1856 bezog die Schule ihr neues Gebäude am Klosterplatz, nachdem an gleicher Stelle die baufälligen Reste des alten Klosters abgetragen worden waren.

1914 Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden 18 von 28 Lehrern zum Militärdienst einberufen. 56 Schüler des Gymnasium Augustum, davon viele freiwillig, gingen an die Fronten. In diesem Krieg fielen 280 ehemalige Schüler, wie eine 1919 veröffent lichte Liste belegt. Eine Gedenktafel in der Aula erinnerte an diese Kriegsopfer.

1919 In der Weimarer Republik wurden schrittweise auch am Gymnasium Augustum bemerkenswerte Neuerungen eingeführt, um Erziehungsziele, Lehrinhalte und Unterrichtsmethoden zu modernisieren. Naturwissenschaftliche Fächer und Englisch bekamen einen höheren Stundenanteil. Neu waren Staatsbürgerkunde, wahlfreier Unterricht, Arbeitsgemeinschaften, wissenschaftliche Ausflüge, Elternbeiräte und Schülerselbstverwaltung über Klassensprecher und Klassengemeinden. Sportliche und kulturelle Schülervereinigungen bereicherten das Freizeitangebot.

1925 hatte das Gymnasium Augustum 380 Schüler in 17 Klassen mit 24 Lehrkräften.

1933 Im Hitler-Staat wurde die Schule im Sinne der totalitären Schulpolitik der Nationalsozialisten "gleichgeschaltet". Direktor Max Müller wurde aus seinem Amt verdrängt, der sozialdemokratische Studienrat Paul Gatter entlassen. Die Lehrpläne der Fächer Deutsch, Sport und Geschichte wurden - der nationalsozialistischen Ideologie entsprechend in Bezug auf Inhalt, Bewertung und Zielstellung verändert und erhielten eine weit stärkere Bedeutung als die bis dahin vorrangig betriebenen alten Sprachen.

1945 Während der Kampfhandlungen in Niederschlesien mußte die Schule ihren Unterrichtsbetrieb einstellen. Die militärische Besetzung der Stadt, die Vertreibung aus der Oststadt und dem östlichen Einzugsgebiet sowie Gefangenschaft oder Verschleppung von Angehörigen hatte zur Folge, daß ein Teil der Schülerschaft mit den Eltern in westlicher Richtung flüchtete.

1965 beging die im Gebäude der ehemalige Luisen-Schule untergebracht Erweiterte Oberschule "Frederic Joliot-Curie" - die damals in Görlitz einzige allgemeinbildende Schule, die zum Abitur führte - eine Festwoche "400 Jahre höhere Schulbildung in Görlitz ", an der auch zahlreiche Ehemalige aller früheren höheren Görlitzer Schulen beteiligt waren. Es gelang dabei, an wertvolle Traditionen des Gymnasium Augustum zu erinnern.

1968 erhielt die Schule am Klosterplatz die Sondergenehmigung, in jedem Jahr in eine neuzubildende 5. Klasse (Ensemble- Klasse) musisch interessierte Schüler aus der ganzen Stadt aufzunehmen, die im Jugendblasorchester oder im Chor, in der Tanzgruppe oder in einer Arbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel des Ensembles mitwirkten.

1992/93 Nach der Vereinigung Deutschlands im Herbst 1990 und den politischen Veränderungen in den östlichen Bundesländern wurde es möglich, im Schulgebäude am Klosterplatz die zehnklassige Schule wieder zu einem Gymnasium auszubauen. Nach einem Beschluß der Stadtverordneten konnte die Schule nach 45 Jahren ihren alten Namen "Gymnasium Augustum" annehmen. Als Gymnasium mit musischen Profil nimmt die Schule wieder einen herausragenden Platz im städtischen Bildungswesen ein. In Görlitz gibt es wieder vier höhere Schulen, nämlich die Gymnasien am Wilhelmsplatz, an der Annengasse, im Stadtteil Königshufen sowie das Gymnasium Augustum am Klosterplatz.

2004 Gymnasium Augustum wird mit Gymnasium Annenschule zusammengelegt und heißt ab jetzt Augustum-Annen-Gymnasium (zum Späteren)

03.06.2006 Feier zum 150jährigen Jubiläum des neogotischen Schulgebädes

 

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